Star­ke Schmerz­mit­tel

Star­ke Schmerz­mit­tel

29. Oktober 2018 Patienteninformation 0

Siche­re Schmerz­mit­tel­the­ra­pie

Star­ke Schmerz­mit­tel gehö­ren in die Hän­de eines ein­zel­nen Schmerz­spe­zia­lis­ten. (Foto: Pixabay; CC0)

Schmer­zen sind ein Alarm­si­gnal des Kör­pers. Sie kön­nen ihrer Inten­si­tät von unan­ge­nehm bis uner­träg­lich rei­chen. Beson­ders dau­er­haf­te (chro­ni­sche) Schmer­zen erzeu­gen einen hohen Lei­dens­druck bei den Betrof­fe­nen. Doch das muss nicht sein. Schmerz­spe­zia­lis­ten kön­nen abhil­fe schaf­fen, aller­dings müs­sen sich Pati­en­ten ihnen anver­trau­en. Aus Ver­zweif­lung sich von meh­re­ren Ärz­ten par­al­lel mit Schmerz­mit­teln ver­sor­gen zu las­sen ist gefähr­lich und unzu­läs­sig.

Was ist Schmerz eigent­lich?

Schmer­zen quä­len, mar­tern, klop­fen, pochen, drü­cken, ste­chen, bren­nen oder elek­tri­sie­ren. Jeder Mensch fühlt und erlebt sie anders. Denn vie­le kör­per­li­che und see­li­sche Fak­to­ren beein­flus­sen die Wahr­neh­mung von Schmer­zen. Eine bedeu­ten­de Rol­le spie­len bei­spiels­wei­se auch der aktu­el­le Gemüts­zu­stand und bis­he­ri­ge Schmerz­er­fah­run­gen. Denn die­se Infor­ma­tio­nen ver­än­dern die Ner­ven­zel­len von Gehirn und Rücken­mark, die ein­tref­fen­de Impul­se hem­men oder ver­stär­ken und damit die Wahr­neh­mung beein­flus­sen.

Auch Schä­den an Ner­ven­fa­sern, die Schmerz­si­gna­le wei­ter­lei­ten, kön­nen für Dau­er­schmer­zen ver­ant­wort­lich sein. Wer­den die Fasern beschä­digt oder zusam­men­ge­drückt, büßen sie ihre Funk­ti­on ein und sen­den stän­dig Impul­se. Die­se sog. neu­ro­pa­thi­schen Schmer­zen beschrei­ben die Betrof­fe­nen als krib­belnd, elek­tri­sie­rend oder ein­schie­ßend.

Nicht immer ver­schwin­den Schmer­zen wie­der. Bis­wei­len blei­ben sie für Wochen, Mona­te oder sogar Jah­re – oder sie kom­men in regel­mä­ßi­gen Abstän­den wie­der.
Chro­ni­scher Schmerz hat den Cha­rak­ter des Warn­si­gna­les ver­lo­ren und wird heu­te als eigen­stän­di­ges Krank­heits­bild gese­hen und behan­delt. Der Schmerz ver­selbst­stän­digt sich und wird zu einem eige­nen Pro­blem.

Ärz­te spre­chen von Chro­ni­fi­zie­rung, manch­mal auch vom “Schmerz­ge­dächntis. Die­ser Begriff dient dazu, bio­che­mi­sche und phy­sio­lo­gi­sche Ver­än­de­run­gen an Rezep­to­ren im Rücken­mark und Gehirn zu beschrei­ben, die Dau­er­schmer­zen her­vor­ru­fen.

Was hilft bei Schmer­zen?

Die moder­ne Schmerz­the­ra­pie besteht aus fünf Säu­len:
• der medi­ka­men­tö­sen,
• der phy­sio­the­ra­peu­ti­schen,
• der psy­cho­the­ra­peu­ti­schen,
• der sozia­len,
• der inva­si­ven Säu­le (Ner­ven­blo­cka­den u. a.)

Die sog. „mul­ti­moda­le Schmerz­the­ra­pie“ berück­sich­tigt all die­se Punk­te und ver­steht sich als umfas­sen­de Behand­lung von Pati­en­ten mit chro­ni­schen Schmer­zen. Neben der medi­ka­men­tö­sen Behand­lung erfol­gen in einem abge­stimm­ten Behand­lungs­plan ver­schie­de­ne The­ra­pi­en, kör­per­lich und psy­cho­lo­gisch üben­de sowie psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ver­fah­ren, wobei die mul­ti­moda­le Schmerz­the­ra­pie alle Behand­lungs­tei­le nahe­zu gleich­wer­tig neben­ein­an­der stellt. Dabei kom­men neben Medi­ka­men­ten auch ver­hal­tens­the­ra­peu­ti­sche Ansät­ze, Ein­zel- und Grup­pen­the­ra­pi­en, Ent­span­nungs­ver­fah­ren, Phy­sio­the­ra­pie (zum Bei­spiel Mas­sa­gen, Kran­ken­gym­nas­tik, Lymph­drai­na­ge, Wär­me- und Käl­te­rei­ze), Sport- und Ergo­the­ra­pie sowie kom­ple­men­tä­re Ver­fah­ren (zum Bei­spiel Phy­to­the­ra­pie, Aku­punk­tur) zum Ein­satz.

Es geht es bei einer effek­ti­ven Schmerz­the­ra­pie nicht dar­um, die Ver­än­de­run­gen im Gehirn rück­gän­gig zu machen und damit das vor­han­de­ne Schmerz­ge­dächt­nis zu löschen. Viel­mehr sol­len die Betrof­fe­nen vor allem ler­nen, eige­ne Stra­te­gi­en gegen die Schmer­zen zu ent­wi­ckeln, mit den Schmer­zen umzu­ge­hen und zu leben und mit der Angst davor umzu­ge­hen.

Schmerz­mit­tel

Eines der ältes­ten Schmerz­mit­tel ist das Opi­um, das aus den unrei­fen Kap­seln des Schlaf­mohns gewon­nen wird. Es wird schon seit Jahr­tau­sen­den medi­zi­nisch ver­wen­det. Die ers­ten syn­the­ti­schen Schmerz­mit­tel wie die Sali­cyl­säu­re, die Ace­tyl­sa­li­cyl­säu­re und Par­acet­amol wur­den bereits im 19. Und zu Beginn des 20. Jahr­hun­dert ent­wi­ckelt.

Schmerz­mit­tel haben schmerz­lin­dern­de (analge­ti­sche) Eigen­schaf­ten. Eini­ge Ver­tre­ter sind zusätz­lich fie­ber­sen­kend (anti­py­re­tisch) und ent­zün­dungs­hem­mend (anti­ph­lo­gis­tisch).

Zu den wich­tigs­ten Wirk­stof­fen gehö­ren die Nicht-Opio­id-Schmerz­mit­tel wie Par­acet­amol, Ace­tyl­sa­li­cyl­säu­re (ASS), Diclo­fe­nac, Ibu­pro­fen, Celecoxib und Met­ami­zol. Die häu­figs­ten mög­li­chen uner­wünsch­ten Wir­kun­gen die­ser soge­nann­ten nicht­ste­ro­ida­len Anti­rheu­ma­ti­ka (NSAR) sind Ver­dau­ungs­be­schwer­den und zen­tral­ner­vö­se Stö­run­gen. Alle NSAR kön­nen vor allem bei einer län­ger­fris­ti­gen Ein­nah­me schwe­re oder sogar lebens­ge­fähr­li­che Neben­wir­kun­gen ver­ur­sa­chen. Met­ami­zol kann zudem sel­ten Blut­bild­stö­run­gen wie eine Agra­nu­lo­zy­to­se aus­lö­sen.

Unter den Opi­oi­den sind Mor­phin, Hydro­mor­phon, Oxy­codon, Fen­tanyl, Buprenor­phin oder Tapen­dadol beson­ders ver­brei­tet. Opio­id-Schmerz­mit­tel sind wich­ti­ge und unent­behr­li­che Arz­nei­mit­tel für Pati­en­ten mit star­ken Schmer­zen.

Sie wer­den aber auf­grund ihrer psych­tro­pen, eupho­ri­sie­ren­den und beru­hi­gen­den Eigen­schaf­ten manch­mal als Rausch­mit­tel in über­höh­ten Dosie­run­gen miss­braucht. Typi­sche Bei­spie­le sind Hero­in, Mor­phin, Code­in und Oxy­codon. Auf­grund des hohen Abhän­gig­keits­po­ten­ti­als und der lebens­ge­fähr­li­chen und manch­mal zer­stö­re­ri­schen uner­wünsch­ten Wir­kun­gen ist von einem Miss­brauch drin­gend abzu­ra­ten. Aus dem Miss­brauch ent­wi­ckelt sich leicht auch eine Sucht. Dage­gen gilt: Wenn ein Pati­ent ein Opio­id-Schmerz­mit­tel in der vor­ge­ge­be­nen Dosie­rung ein­nimmt („indi­zier­te Anwen­dung“) und ein Arzt die The­ra­pie steu­ert, muss man kei­ne Sor­ge vor der Aus­bil­dung einer Sucht haben.

Häu­fi­ge Neben­wir­kun­gen der Opi­oi­de, auch bei ange­mes­se­ner, the­ra­peu­ti­scher Dosis sind Ver­stop­fung, Übel­keit und Müdig­keit. Eine Über­do­sis ist lebens­ge­fähr­lich.

Schmerz­mit­tel sind in zahl­rei­chen Dar­rei­chungs­for­men erhält­lich. Dazu gehö­ren Tablet­ten, Brau­se­ta­blet­ten, Pul­ver, Gra­nu­la­te, Sup­po­si­to­ri­en, trans­der­ma­le Pflas­ter und Injek­ti­ons­prä­pa­ra­te. Für die The­ra­pie chro­ni­scher Schmer­zen wer­den vor­zugs­wei­se Prä­pa­ra­te mit ver­zö­ger­ter Wirk­stoff­frei­ga­be ein­ge­setzt. Aber nur in sel­te­ne­ren Fäl­len sind „Schmerz­pflas­ter“ sinn­voll.

Ein Fall für den Fach­mann

Alle Schmerz­mit­tel sol­len auf­grund ihrer mög­li­chen uner­wünsch­ten Wir­kun­gen nicht unkri­tisch kon­su­miert wer­den. Und ganz wich­tig: Die Ver­ord­nung von Schmerz­mit­teln soll­te stets aus einer ärzt­li­chen Hand erfol­gen!

Eine kom­ple­xe Erkran­kung wie chro­ni­sche Schmer­zen erfor­dert eine kom­ple­xe The­ra­pie, die der jewei­li­gen Schmerz­form ange­passt ist. Dem­entspre­chend gibt es kein All­heil­mit­tel gegen chro­ni­sche Schmer­zen; weder unter den Arz­nei­mit­teln, noch untern den alter­na­ti­ven Behand­lungs­me­tho­den. Wel­ches Ver­fah­ren zur Behand­lung einer spe­zi­el­len Schmerz­form geeig­net ist, muss indi­vi­du­ell und auf Basis einer umfas­sen­den Unter­su­chung ent­schie­den wer­den. Und bis der rich­ti­ge Weg gefun­den ist braucht es in den meis­ten Fäl­len Geduld.

Pati­en­ten­in­for­ma­ti­on