Darmkrebs besiegen

Darm­krebs besie­gen

25. Juli 2019 Gesundheitssport Sport als Medikament 0
Darnkrebs

Darm­krebs zählt heu­te zu den häu­figs­ten Krebs­er­kran­kun­gen in Deutsch­land. Damit hat die­se Krank­heit einen hohen Stel­len­wert in unse­rer Gesell­schaft, der nicht zuletzt auf­grund der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lung eher zu- denn abneh­men dürf­te. Damit steigt auch die Nach­fra­ge nach medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen und Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­ten. In die­sen Berei­chen hat sich in im Infor­ma­ti­ons­zeit­al­ter bereits viel getan. Die­ser Arti­kel gibt Dir in die­sem Zusam­men­hang einen Über­blick über Dei­ne Mög­lich­kei­ten AKTIV Ein­fluss auf den Darm­krebs zu neh­men.

Mit Bewe­gung Darm­krebs ver­mei­den Rezi­di­ve ver­mei­den

Erkran­kungs- und Rezi­di­v­ri­si­ko

Über den Zusam­men­hang von kör­per­li­cher Akti­vi­tät und der all­ge­mei­nen Krebs­mor­ta­li­tät sowie Gesamt­mor­ta­li­tät braucht man inzwi­schen kaum mehr etwas sagen. Bewe­gung schützt uns vor allen mög­li­chen Krank­hei­ten und lässt uns län­ger leben.

Dar­über hin­aus konn­ten eben­falls posi­ti­ve Effek­te spe­zi­ell auf das Kolon­kar­zi­nom­ri­si­ko in Quer­schnitts­stu­di­en und pro­spek­ti­ven Kohor­ten­stu­di­en nach­ge­wie­sen wer­den. Die Effek­te vari­ie­ren zwi­schen den Geschlech­tern und betrof­fe­nen Darm­ab­schnit­ten. Jedoch ist gene­rell ein höhe­res Maß an regel­mä­ßi­ger Bewe­gung mit einer gerin­ge­ren Anzahl an Kolon­po­ly­pen und einem um bis zu 30% gerin­ge­ren Erkran­kungs­ri­si­ko asso­zi­iert. Als Min­dest­maß für die­sen Effekt sind 30 — 60 min täg­li­che mode­ra­te kör­per­li­che Akti­vi­tät beschrie­ben[1],[2],[3]. Wei­ter­hin wur­de eine umge­kehr­te Bezie­hung für die Kar­zi­nom­mor­ta­li­tät und die Trai­nings­dau­er in Stu­di­en auf­ge­zeigt. Dies bedeu­tet, dass auch für Darm­krebs­pa­ti­en­ten zu gel­ten scheint:

»Je mehr, des­to bes­ser«

Bewe­gung schützt vor Darm­krebs

Bewe­gung schützt sta­tis­tisch gese­hen somit vor Darm­krebs. Dar­an kann es kei­nen Zwei­fel geben. Auf­grund der Abwe­sen­heit uner­wünsch­ter Neben­wir­kun­gen ist die Anga­be einer rela­ti­ven Risi­ko­re­duk­ti­on für die­se Aus­sa­ge völ­lig aus­rei­chend. Denn das Wis­sen um »einen« posi­ti­ven Ein­fluss inklu­si­ve der erwünsch­ten Neben­wir­kun­gen auf ande­re Erkran­kun­gen, unse­re Fit­ness und das Gesamt­über­le­ben machen sol­che Dis­kus­sio­nen an die­ser Stel­le eigent­lich über­flüs­sig. Den­noch erwähn­te ich mei­ne bereits mei­nen Grund­satz, dass jeg­li­che The­ra­pie den glei­chen wis­sen­schaft­li­chen Stan­dards ent­spre­chen muss. Dies gebie­tet die Her­stel­lung der Ver­gleich­bar­keit.

Die Erkran­kungs­häu­fig­keit (Inzi­denz) für Darm­krebs liegt in Deutsch­land geschlechts- und alters­über­grei­fend bei ca. 72 Fäl­len pro 100.000 Ein­woh­ner[4]. Redu­zie­ren wir die­se Fall­zahl um 30%, so ver­blei­ben ca. 50 Darm­krebs­neu­erkran­kun­gen. Die Bewe­gung hät­te also im Ergeb­nis alle 100.000 Men­schen fit­ter wer­den las­sen und vor ande­ren ins­be­son­de­re Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen geschützt sowie  22 von ihnen vor Darm­krebs bewahrt.

Im Gegen­satz dazu ist Inak­ti­vi­tät bereits als all­ge­mei­ner und auch darm­krebs­spe­zi­fi­scher Gesund­heits­ri­si­ko­fak­tor aner­kannt. Für Sie als Pati­ent beson­ders wich­tig zu ver­ste­hen ist, dass dies nicht nur im Bereich der Pri­mär­prä­ven­ti­on gilt. Zwar mei­nen wir, wenn wir von Prä­ven­ti­on spre­chen, i. d. R. die Pri­mär­prä­ven­ti­on, sprich die Ver­mei­dung der Ersterkran­kung, jedoch exis­tiert dane­ben die sog. Ter­tiärprä­ven­ti­on. Dabei geht es um die Fra­ge, wie eine Wie­der­er­kran­kung – hier das Darm­krebs­re­zi­div – ver­mie­den wer­den kann.

In die­sem Zusam­men­hang konn­te eine inver­se Bezie­hung zwi­schen kör­per­li­cher Akti­vi­tät von min­des­tens 3h die Woche und dem Rezi­di­v­ri­si­ko mit einer rela­ti­ven Effek­ti­vi­tät um bis zu 61 % nach­ge­wie­sen wer­den[5].

Wie groß ist die­ser Effekt nun ein­zu­schät­zen?

Wagen wir den Ver­gleich mit der der Che­mo­the­ra­pie:

Die S‑3-Leit­li­nie für Darm­krebs refe­ren­ziert u. a. auf die Ana­ly­se von Gil et al[6] aus dem Jahr 2004. Die Ori­gi­nal­pu­bli­ka­ti­on attes­tiert der Che­mo­the­ra­pie hier eine Erhö­hung des erkran­kungs­frei­en Über­le­bens auf 67% im Ver­gleich zur Ver­gleichs­grup­pe ohne The­ra­pie mit 55%, wie wir bereits wis­sen.

Die abso­lu­te Wahr­schein­lich­keit, dass der Darm­krebs nach einer Ope­ra­ti­on – Ope­ra­ti­ons­stan­dard der 90er – zurück­kehrt, lag wur­den im Stu­di­en­kol­lek­tiv der Bewe­gungs­stu­di­en von 45% auf 33% redu­ziert. Die ent­spricht einer abso­lu­ten Sen­kung des Risi­kos um 12% (rel. 27%).

Aus­ge­hend von die­sem Zah­len ist die ter­tiärprä­ven­ti­ve Wir­kung kör­per­li­che Akti­vi­tät bei­na­he iden­tisch aus­ge­prägt, wie die der (allei­ni­gen) Che­mo­the­ra­pie.

Gib Rezi­di­ven kei­ne Chan­ce

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber und damit kei­ne Miss­ver­ständ­nis­se ent­ste­hen:

Die Stu­die von Mey­er­hardt hat­te Pati­en­ten ein­ge­schlos­sen, die gemäß der Stan­dard­the­ra­pie (Ope­ra­ti­on und Che­mo­the­ra­pie) behan­delt wur­den. Die Ergeb­nis­se sind somit kei­nes­falls dazu geeig­net zu behaup­ten, dass eine Che­mo­the­ra­pie über­flüs­sig sei, da Bewe­gung glei­cher­ma­ßen effek­tiv wäre.

Viel­mehr zei­gen die Ergeb­nis­se, dass es sich um syn­er­gis­ti­sche Effek­te han­delt. Denn Pati­en­ten die zunächst die Che­mo­the­ra­pie erhiel­ten, redu­zier­ten ihr Rezi­di­v­ri­si­ko und ver­stär­ken die­sen Effekt mit Hil­fe der regel­mä­ßi­gen kör­per­li­chen Akti­vi­tät wei­ter!

Wie groß der Effekt der Bewe­gung ohne vor­he­ri­ge Che­mo­the­ra­pie wäre, lässt sich nicht seri­ös abschät­zen. Den­noch soll­te von einer grund­sätz­li­chen Redu­zie­rung des Rezi­di­v­ri­si­kos aus­ge­gan­gen wer­den kön­nen.

Im Ergeb­nis kön­nen wir fest­hal­ten, dass bereits eine unspe­zi­fi­sche Erhö­hung der kör­per­li­chen Akti­vi­tät das Rück­fall­ri­si­ko bei Darm­krebs deut­lich senkt. Wir haben damit einen Hebel iden­ti­fi­ziert, für des­sen Betä­ti­gung Sie – mit Aus­nah­me der immer emp­foh­le­nen sport­ärzt­li­chen Unter­su­chung – kei­ne Anleitung/Hilfe von Drit­ten benö­ti­gen.

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[1] Hal­le, in: Dtsch. Arz­tebl. Int., 2009.

[2] Kir­ke­gaard, in BMJ, 2010.

[3] Wolin, in: Br. J. Can­cer, 2011.

[4] Ben­ecke, in: TK-Bro­schü­re Darm­krebs-Früh­erken­nung, 2019.

[5] Mey­er­hardt, in: J. Clin. Oncol. 2006.

[6] Gill, in: J. Clin. Oncol., 2004.